twentyfive (2011 – UA)

eine Komposition nach Max Frisch von Mela Meierhans
Text: Max Frisch, 25 Fragen aus dem FRAGEBOGEN I
Dauer ca. 60 min

duo dialogue: Sylvia Nopper, Sopran - Leslie Leon, Mezzosopran
Gast: Daniel Fueter, Rezitation

Dramaturgie / Szenische Einrichtung: Ute Haferburg

Die Komposition von Mela Meierhans entsteht zum Jubiläumsjahr Max Frischs, in welchem sein 100. Geburtstag und sein 20. Todestag begangen wird.

Textgrundlage sind die 25 Fragen aus dem 1. Fragebogen des Autors – Fragen, deren Beantwortung uns Max Frisch vorenthält. Inspirierend in ihrer Offenheit und Aktualität nahm die Komponistin sie zum Anlass, in Frischs Werk selbst zu forschen. Mit Stellen aus seinen Texten, die sie den Fragen gegenüberstellt, gibt sie zwar keine Antworten, aber sie baut uns Brücken, schafft Bezüge und Raum für Reflexionen und Assoziationen. Denn alle 25 Fragen, die Max Frisch im Fragebogen stellt, sind auch immer wieder Themen seines schriftstellerischen Werkes. Ein zentraler Text dieses abendfüllenden Stückes ist Schwarzes Quadrat, zwei Poetik- Vorlesungen, die Max Frisch im November 1981 in New York hielt.

Zur Form: Den beiden Gesangsstimmen im Duo sind die Fragen, der Sprechstimme die Textstellen zugeordnet. Die 25 Fragen sind also der auskomponierte Teil des Werkes und teils gesungen, teils aber auch gesprochen oder im Sprechgesang zu hören; der Text wird gesprochen. So gibt es einen Wechsel von Musik und Rezitation, dessen Regelmässigkeit an einigen Stellen unterbrochen wird, etwa, wenn die rezitierende Sprechstimme von den beiden Sängerinnen durch liegende Töne, mitgesprochene Passagen oder Konsonanten verstärkt oder der Textfluss durch gesungene Entwürfe unterbrochen wird. twentyfive ist sparsam inszeniert.

Meierhans kehrt mit diesem Projekt nach Arbeiten für großes Orchester und mehreren Musiktheater-Produktionen wieder zur intimen Kammermusik, zum Kleinst-Ensemble zurück; nach ihrer Auffassung ist "...schreiben für die menschliche Stimme eine der größten kompositorischen Herausforderungen überhaupt".

Meierhans verwendet Textausschnitte aus

Schwarzes Quadrat
Montauk
Tagebuch 46 – 49
... und sie singen wieder
Graf Öderland
Der Mensch erscheint im Holozän
Wilhelm Tell für die Schule
Die grosse Wut des Philipp Hotz

FRAGEBOGEN I (Max Frisch, 1966)

1. Sind Sie sicher, daß Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

2. Warum? Stichworte genügen.

3. Wieviele Kinder von Ihnen sind nicht zur Welt gekommen durch Ihren Willen?

4. Wem wären Sie lieber nie begegnet?

5. Wissen Sie sich einer Person gegenüber, die nicht davon zu wissen braucht, Ihrerseits im Unrecht und hassen Sie eher sich selbst oder die Person dafür?

6. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

7. Wie heißt der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?

8. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

9. Wen hingegen nicht?

10. Hätten Sie lieber einer anderen Nation (Kultur) angehört und welcher?

11. Wie alt möchten Sie werden?

12. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.

13. Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?

14. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder im Kollektiv?

15. Wann haben Sie aufgehört zu meinen, daß Sie klüger werden oder meinen Sie's noch? Angabe des Alters.

16. Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?

17. Was, meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie selbst übel, und wenn es nicht dieselbe Sache ist: wofür bitten Sie eher um Verzeihung?

18. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?

19. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschten Sie, daß der Verstorbenen zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

20. Lieben Sie jemand?

21. Und woraus schließen Sie das?

22. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wir erklären Sie es sich, daß es dazu nie gekommen ist?

23. Was fehlt Ihnen zum Glück?

24. Wofür sind Sie dankbar?

25. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als gesundes Tier? Und als welches?

Max Frisch, 1966

Weitere Werke

 



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